Das betrifft auch uns vor Ort

DFB Dialogforum "Vor dem Ball sind alle gleich - sexuelle Identitäten im Fußball"

Rhein-Sieg-Kreis (am). Der stets um Nachhaltigkeit bemühte DFB Präsident Dr. Theo Zwanziger hatte als eine seiner letzten Amtshandlungen das "Verhältnis der Mehrheitsgesellschaft mit Minderheiten und vor allen Dingen den Umgang mit Minderheiten" besonders in den Fokus des größten Fußballverbandes der Welt gelegt.

In einem zweitägigen Dialogforum diskutierten rund 60 Fachleute aus allen deutschen Regionen und 18 DFB Landesverbänden in der Sportschule Hennef zum Thema "Vor dem Ball sind alle gleich - sexuelle Identitäten im Fußball".

In vier Workshops wurde am ersten Tag der Frage nachgegangen, ob sich das Thema der sexuellen Identität überhaupt für den Fußball stellt und falls ja, welche Probleme und Barrieren es gibt.

Im Podiumsgespräch und der anschließenden Pressekonferenz berichtete die ehemalige Bundesligaspielerin, Lehrerin und Sportwissenschaftlerin Tanja Walther-Ahrens über offenkundige Widersprüche. Verdeutlicht an der erlebten Volksmeinung, nach der gute Fußballerinnen immer lesbisch sein müssen, Topfußballer bei den Männern aber niemals schwul sein können.

Auch der langjährige Basketballprofi John Amaechi, der zwischen 1995 und 2003 an die 300 Spiele in der NBA Liga bestritten hat, berichtete von seinen Erfahrungen. 2007 veröffentlichte er in seiner Autobiografie offiziell seine Homosexualität. Er ist bisher der einzige Profibasketballer, der sich als schwul geoutet hat.

"Besonders für junge Fußballer", so Theo Zwanziger, "ist ein Coming out ein besonderes Problem, weil sie für die relativ kurze Zeit, in der sie ihren Spitzensport betreiben können, doch beachtliche Nachteile befürchten". Dem Fußball können durch diese Einstellung durchaus auch viele Talente entgehen.

Während am ersten Tag des Dialogforums in allen Workshop die Frage bejaht wurde, dass im Fußball die sexuelle Identität durchaus ein Thema ist, wurde am zweiten in den einzelnen Arbeitsgruppen den Fragen nachgegangen, was der einzelne selbst, Verbände, Schiedsrichter und Vereine, Spieler und Fans und schließlich Kooperationen des Fußballs mit anderen Institutionen bewirken können. Die Fülle der gesehenen Möglichkeiten, herausgearbeiteten Argumente und gefundenen Ansätze gilt es behutsam in die Praxis umzusetzen.

 Das könnte letztlich dazu führen, wie es der ehemalige Profibasketballer John Amaechi in seinem Abschlussstatement formulierte:
"Hennef könnte für den deutschen Fußball eine Initialzündung sein, dabei will ich mithelfen. Es geht einfach nicht darum, die vielleicht 15 bis 20 schwulen Profifußballer ein Stück glücklicher oder freier zu machen. Es geht um den bestmöglichen Zugriff auf die meistmöglichen Talente".

Im Podiumsgespräch, wie auch hier bei der folgenden Pressekonferenz, stellten sich dem Thema (v.l.n.r.) Tanja Walther-Ahrens, Christine Lüders (Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes), DFB Präsident Theo Zwanziger, Sportwissenschaftler Gunter Pilz, John Amaechi und Diskussionsleiter Thomas Hackbart vom DFB. Foto: Müller
Letzte Änderung: Montag, 23.01.2012 14:43 Uhr

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