Vom Kaplan, der den Spargel verschmähte

Roessler hat in seinem neuen Buch Beiersprüche gesammelt

Bornheim-Hemmerich (FES). Das Glockenbeiern hat im Rheinland eine jahrhundertelange Tradition. Vor allem im Vorgebirge und hier im heutigen Bornheimer Stadtgebiet findet sich eine besonders hohe Konzentration an Kirchengemeinden, in denen dieses Brauchtum noch gepflegt wird. Darauf weist der emeritierte Professor für Nuklearchemie Kurt Roessler hin, der jetzt ein lesenswertes Buch über die "Bornheimer Beiersprüche" veröffentlicht hat.
Für den 72-jährigen Hemmericher ist die Tradition des Beierns mehr als eine Aneinanderreihung von rhythmischen Reimen, es ist eine Form der "rheinischen Bauernlyrik" oder eine Gebrauchs- oder Volkslyrik, wie er es nennt. Damit seien die Beiersprüche eine "farbenfrohe Literaturgattung", die so gleichbedeutend sei mit Kirchen-, Karnevals- oder -Volksliedern. Hier spiegelten sich oft Spott und Hohn gegen die Obrigkeit wider, soziale Missstände oder Rivalitäten zwischen den einzelnen Ortschaften werden in den kurzen prägnanten Versen thematisiert. So heißt es in einem Spruch aus Dersdorf beispielsweise übersetzt vom Vorgebirgsplatt ins Hochdeutsche: "Der Kaplan von Kardorf, der mag keinen Spargel. Der Kostverächter. Der Kostverächter". Die Hemmericher meinten einst: "Die Kardorfer Leute haben Flöhe am Rücken und stinken wie die Ziegenböcke". Die heute bekannten Beiersprüche, so schreibt Roessler, stammen vom 17. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Die größte aktive Beiergruppe existiere in Brenig. In Dersdorf pflegen besonders intensiv Heimatforscher Horst Bursch und sein Sohn Achim diese Tradition.
Kurt Roessler hat nicht nur unzählige naturwissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht, er befasst sich bereits seit den 1980er Jahren mit Lyrik, Heimatforschung und Kunstgraphik. 29 seiner Zeichnungen aus den letzten Jahrzehnten illustrieren sein Buch. Zudem pflegt er seit 1990 als "Winzer vom Rolandsbogen" den "Literarischen Weinberg".
Das 80 Seiten umfassende Buch "Bornheimer Beiersprüche. Rheinische Bauernlyrik des Vorgebirges" ist im Eigenverlag erschienen und erhältlich in der Bornheimer Bücherstube in der Königstraße oder direkt beim Verfasser (Tel. 0 22 27/6590, E-Mail: kurt.roessler@yahoo.de). Es kostet 9,80 € (ISBN 978-3-935369-25-1).

Letzte Änderung: Mittwoch, 04.01.2012 13:22 Uhr

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