Foto Werner Müller

Fahren Sie vorsichtig!

Tipps und aktuelle Fahrberichte - exklusiv von Motorjournalist Werner Müller


Autos werden breiter, die Parkplätze aber nicht

Der ADAC hat bundesweit 50 Parkhäuser in 10 deutschen Großstädten getestet. Das ernüchternde Urteil: Nur vier Parkhäuser waren top. Der größte Mangel: Zu eng, Parklücken zu klein. Aber liegt das nur an den Parkhäusern?

So spektakulär und schlagzeilenträchtig der Parkhaustest des Automobilclubs auch war: Gerade ältere Parkhäuser wie etwa die Parkgaragen am Gürzenich oder an der Hohe Straße in Köln, die im Test des ADAC als sehr mangelhaft eingestuft wurden, existieren nun mal seit Jahrzehnten. Man kann sie wohl schlecht mal eben vergrößern, erweitern oder so modern aufziehen wie ein neu gebautes Parkhaus wie etwa das an der Rhein-Sieg-Halle in Siegburg.

Dunkle Höhlen, schlechter Allgemeinzustand oder Unsauberkeit müssen nicht sein. Da muss man dem ADAC nur beipflichten. Licht und Pflege kann man auch älteren Parkhäusern angedeihen lassen.

Aber mehr Parkplatzbreite - bedingt durch tragende Säulen - oder eine großzügigere Einfahrt sind manchmal nicht machbar.

Sicher könnten die Parkhaus-Betreiber die Parkplätze von derzeit vorgeschriebenen 2,30 Meter auf 2,50 Meter durch Markierung oder bauliche Maßnahmen verbreitern. Auch wenn dadurch einige Plätze wegfallen würden.

Doch eine Mitschuld an mancher Parkhausenge haben auch die Autohersteller. Denn die Fahrzeugbreite nahm in den letzen Jahren deutlich zu. Und die Tendenz geht zu noch mehr Breite. Beispiel: Der Ford Focus. Er ist ein populäres Modell in der Golf-Klasse. Vor 20 Jahren war er (damals noch als Ford Escort) 1,64 Meter und später 1,70 Meter breit.

Die aktuelle Focus-Palette bringt es da schon auf 1,84 Meter Breite. Und die ganz neue Generation, die gerade erst vorgestellt wird, wächst noch einmal auf 1,86 Meter Breite. 22 cm mehr, da müssen die Parkhäuser ja irgendwann mal alle zu eng werden.

Die zunehmende "Leibesfülle" der modernen Autos ist deshalb ein Problem, weil nicht nur die Kompaktmodelle wie der Ford Focus, sondern auch die früheren Kleinwagen Polo, Corsa, Fiesta, Renault Clio oder Peugeot 207 ganz schön in die Breite gehen. Und gerade die sind ja die Stadtflitzer und Shopping-Mobile. Es nützt einem aber wenig, wenn man ein schönes, schlankes Mobil fährt, mit dem man in jede auch vom ADAC kritisierte Parklücke schlüpfen kann, wenn sich daneben einer aus der Gattung Geländewagen niedergelassen hat.

Mit rund 1,95 Meter Breite bleiben dessen Insassen in der Standard-Parklücke gerade mal 15 cm pro Seite. Aussteigen ist da schon schwierig. Also macht der SUV-Pilot aus einer 2,30 Meter-Parklücke schnell mal eine mit 2,50 oder 2,60 Meter Breite. Besonders "erfreulich" ist so etwas, wenn der opulente Parknachbar später gekommen ist und man nur als Schlangenmensch in sein Fahrzeug kommt.

Was lernen wir daraus? Wenn möglich, mit dem kleinsten Auto der Familie einkaufen gehen. Sich in seinem Umfeld das hellste, modernste und sauberste Parkhaus suchen. Aber das ist oft graue Theorie: Wenn etwa wie im Vorweihnachtstrubel Parkplatznot herrscht, dann interessiert einen auch der ADAC-Test mit der besten Nutzerfreundlichkeit recht wenig. Denn das Motto heißt dann: Habe ich einen Parkplatz, egal wie hell oder eng, bin ich König.

Foto: ADAC
Hell, freundlich, breit, nutzerfreundlich: So sollen laut ADAC die Parkhäuser aussehen. Hier der Testsieger, ein Parkhaus in München.
Letzte Änderung: Freitag, 14.10.2011 10:31 Uhr

Alle Titel im Großraum Köln/Bonn

Lernen Sie die weiteren Anzeigenblätter im Großraum Köln/Bonn kennen. »